Was, wenn Demokraten zu Demokretins mutieren?

ROT: Ich sag's dir: Die Demokratie geht vor die Hunde.

WEISS: Bitte nicht so defätistisch.

ROT: Populisten! - wohin das Auge blickt! Warum sehnen sich mehr und mehr Menschen nach starken Führern? Was haben wir falsch gemacht? Waren wir nicht fast sicher, dass mit dem Ende des kalten Krieges und dem umfassenden Sieg der Demokratie das Ende der Geschichte begonnen hatte?

Der Wolf im Schafspelz

WEISS: Das haben die antiken Griechen nach dem Sieg über die tyrannischen Perser sicherlich auch gedacht. Die attischen Demokratien wurden jedoch nach langen Phasen der Selbst-Zerfleischung von dem Königtum Mazedonien und Alexander dem Großen sang- und klanglos übernommen. Auch die stolze römische Republik verendete zuletzt in den Fängen der Cäsaren. Bis zur Morgenröte der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und der demokratischen Renaissance  1776 dauerte es dann noch finstere 1800 Jahre.

ROT: Du meinst, dass unsere vielgepriesene Demokratie auch nur eine vorübergehende Erscheinung ist?

WEISS: Wir sind derzeit Zeugen eines spannenden Systemwettbewerbs: westliche Demokratien hüben - chinesischer Staatskapitalismus drüben. Und mal ganz ehrlich: Der Westen macht in diesem Beauty Contest gerade nicht die allerbeste Figur.

ROT: Das stimmt leider. Doch während die Amerikaner die Gefahr erkannt haben und sich dieser geostrategisch zu stellen versuchen, zerlegen wir Europäer uns derweil selbst.

WEISS: Die Leute spüren, dass die Demokratie ein Effizienzproblem hat, das angesichts der Komplexität der vielen Probleme, die es zu lösen gilt, immer deutlicher zutage tritt. Da wünscht man sich eben einen Kapitän, der das Staatsschiff souverän und kompetent durch die Krisen steuert.

ROT: Kein Wunder, dass sich auf See und in der Luft der Parlamentarismus nie durchgesetzt hat.

WEISS: Andererseits können nicht nur die Chinesen ein Lied davon singen, wohin es führt, wenn große Steuermänner dem Wahnsinn verfallen.

ROT: Dann hat Winston Churchill doch Recht, wenn er sagt: Democracy is the worst form of government - except all those other forms that have been tried from time to time.

WEISS: Das macht den Systemwettbewerb ja gerade so spannend: Der Staatskapitalismus braucht einen klugen Führer, die Demokratie ein kluges Volk. Was aber, wenn die Demokraten zu Demokretins mutieren?

Lasst's Euch schmecken! (Gebt gerne Euren Senf dazu.)
LG Ralf & Thomas

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Kommentare:5

Detlef Imse

Ob Trumps Methode im Umgang mit China Erfolgreich ist, das bezweifle ich.
Aber wenn Politik auf wirtschaftliche Erfolge reduziert wird, das tun wir ins Europa m.E. Seit 25 Jahren, an statt gesellschaftlichen Fortschritt für alle Menschen voranzutreiben und solche Visionen klar zu publizieren, solange besteht Gefahr das wir irgendwann wieder sogenannten führern nachlaufen

Das allerdings kann kein Gutes Ende nehmen

Daher: auf zum Gefecht gegen die Anti Demokraten

Georg

„Und dann war da noch das demokratische Land, das mit Mehrheit beschloß, alle Demokratiegegner erschießen zu lassen.“

Wolfgang J. Reus, deutscher Journalist.

:jo

In den ersten 60 Jahren nach dem Krieg, in dem es der überwiegenden Bevölkerung stätig besser gegangen ist, hatte es unser Demokratie leicht. Aber für eine Gesellschaft in der die Kluft zwischen arm und reich immer größer wird und in der selbst die besser Verdienenden auf höchsten Niveau jammern und klagen, ist Demokratie scheinbar zu komplex. Zur Zeit gibt es immer mehr die sich als Verlierer oder Benachteiligte fühlen und auf der anderen Seite immer mehr Egoisten. Und da es für jeden Missstand auch immer einen Sündenbock geben muss, haben es die Populisten leicht, für die kommen die Flüchtlinge gerade… Weiterlesen »

Tom

Wenn ich mal ehrlich versuche zu verstehen, warum in Ostdeutschland die Pegida Bewegung so stark war und die AfD so stark ist, muss ich zur Kenntnis nehmen, dass in der BRD die Demokratie mit Wohlstand für fast alle kam und in der DDR die Demokratie mit Verlusten für fast alle kam. Wer hat es gesagt? Erst das Fressen, dann die Moral……

Georg

Ephraim Kishon meinte: „Die Medien sind bellende Wachhunde der Demokratie.“

Für ordentliche Wachhunde wollten wir aber in den letzten Jahren kein Geld mehr ausgeben – weil uns das Bellen sowieso auf den Sack gegangen ist.

Diese blöden Wachhunde haben immer angeschlagen, wenn Politiker nicht die Wahrheit sagen oder sich würdelos verhalten – gemäß den letzten Wahlergebnissen scheinen wir das aber mittlerweile für die Mindestqualifikation eines Politikers zu halten.

Laut Joseph Marie de Maistre folgt daraus: „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.“