Mehr Realismus! – Oder: Am deutschen Wesen wird die Welt verwesen

ROT: Wenn es uns Deutsche nicht gäbe, müsste man uns erfinden.

WEISS: Wie bitte?

ROT: Wir haben unsere Geschichte vorbildlichst aufgearbeitet und sind rastlos bemüht, diese verrückte Welt zu einem besseren Ort zu machen.

WEISS: Sind wir nicht eher wie dieser irre Krankenpfleger, der seine Patienten hundertfach zum Herzstillstand gespritzt hat, um sie dann durch spektakuläre Massagen wieder zu beleben? Damit er als Held dasteht!

ROT: Was soll das denn jetzt?

Realismus: Das Beste hoffen und mit dem Schlimmsten rechnen

WEISS: Haben wir nicht Russen und Chinesen mit dem Marxismus eine Ideologie geliefert, die über Jahrzehnte die halbe Welt ins Koma versetzt hat, aus dem abermillionen Menschen nach unserer friedlichen Revolution 1989 nicht wieder aufgewacht sind? Haben wir nicht die Kernspaltung erfunden, die uns zu Hiroschima und bis heute in ein permanentes Ringen um das Gleichgewicht des Schreckens gebracht hat? Haben wir nicht mit dem Holocaust den letzten Impuls zur Staatsgründung in Israel gegeben, die als schwärende Wunde seit 1948 Konflikte wie schwarze Fliegen anzieht?

ROT: Ich verstehe deinen Punkt. Aber heute sind wir doch die Guten!

WEISS: Mit unserem idealistischen Verzicht auf Atomwaffen (wir sitzen bequem unter dem US-Schutzschild ), auf Atomstrom (den importieren wir nötigenfalls aus Frankreich), auf Militäreinsätze (wir liefern lieber das Material) posieren wir vor unseren Partnern moralisch auf hohem Ross.

ROT: Aber wenigstens sind wir doch gute Europäer!

WEISS: Mit dem, was wir in der Flüchtlingspolitik in unserer undiplomatischen Art für richtig halten, haben wir es geschafft, die EU zu spalten und die Briten zum Brexit inspiriert. Und nach zwanzig Jahren Klimagetöse hat sich der deutsche CO²-Ausstoß kaum verringert. Machen wir so weiter, so wird an unserem Wesen einmal mehr die Welt verwesen.

ROT: Hm, so sind wir Deutsche also - frei nach Goethe -  mit unserem Idealismus Teil der Kraft, die stets das Gute will und stets was Schlechtes schafft? - Deine Empfehlung?

WEISS: Ich kehre vor meiner Haustüre und arrangiere mich mit meinen Nachbarn mit einem Sinn für das Machbare. Und als ich neulich meine Fassade gestrichen hatte, dauerte es nicht lange, da rollte eine Renovierungswelle durchs Quartier. Vielleicht funktioniert das auch in der Politik.

Lasst's Euch schmecken! (Gebt gerne Euren Senf dazu.)
LG Ralf & Thomas

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Kommentare:6

:jo

Also wenn es uns Deutsche oder auch überhaupt keine Menschen geben würde, hätte ich nicht das Bedürfnis Sie erfinden zu wollen.
Und wenn es uns dann nicht geben würde, bräuchte uns auch keiner.
Denn im Gegensatz zu allen anderen Lebewesen auf der dieser Welt,
ist der Mensch des einzige Geschöpf das glaubt es wäre zu etwas Höherem
bestimmt als die Art zu erhalten. Und wo das hin geführt hat sieht man ja.

Nein Suizid gefährdet bin ich nicht

Thomas

Also: lass uns nicht von Brücken springen, sondern die Welt verbesssern!👍

:jo

Also: ich springe nicht und will auch keinen dazu überreden.
Mein Senf bezog sich auf die an mich gerichtete Frage:
Wenn es uns Deutsche nicht gäbe, müsste man uns erfinden.
Und da bleibe ich dabei : Das muss nicht unbedingt sein.
In der Realität gibt es uns nun mal und jeder sollte das Beste daraus machen.
Bei der Aktion die Welt zu verbessern bin raus, der Anspruch ist mir zu hoch.

Georg

Gibt es das überhaupt noch – das deutsche Wesen? Hilft die Rückbesinnung auf die uralte Tradition der Kehrwoche aus dem Jahr 1492: „Damit die Stadt rein erhalten wird, soll jeder seinen Mist alle Wochen hinausführen.“?

Auch die Straßen-Ordnung von 1811 stellte noch mal für jeden Deutschen unmissverständlich klar, dass „niemand von der Verbindlichkeit, vor seinem Haus kehren zu lassen“ ausgenommen sei.

Aber das ist lange her – die Kehrwoche wurde 1988 offiziell in Deutschland abgeschafft!

Danach haben wir dann 1996 auch die deutsche Sprache, zumindest in seiner bisherigen geschriebenen Form, abgeschafft.

Ab 2000 sorgte die PISA Studie dann für eine globale Gleichrichtung der Ausbildung. In der folgenden internationalen Nivellierung wurde auch der urdeutsche akademische Grad des Diplom Ingenieurs abgeschafft.

Mir scheint, daß wir das „Haus“ des deutschen Wesens die letzten Jahrzehnte gründlich ausgeräumt haben. Was hilft es da vor der eigenen Tür den Staub längst vergangener Tage noch mal aufzuwirbeln und eine ansonsten hohle Fassade zu tünchen?

Also – wo ist es hin – das deutsche Wesen? 🍺🍗❓

Thomas

Dissens! Zwar ist die Kehrwoche juristisch abgeschafft, gleichwohl kehren die Schwaben immer noch. Freiwillig und regelmäßig. Weil es über Regeln und Traditionen in die kulturelle DNS eingeschrieben zu sein scheint….
Und der Dipl Ing? Nun ja… Goethe war als Jurist Geheimrat. Den Titel gibt s auch nicht mehr, Dichter und Ingenieure aber schon…

Ralf

…Von einer Kernsanierung unserer eigenen Bude hält uns keiner ab. Wir sollten nur die Häuser in der Nachbarschaft nicht gleich mit abreißen.