Sphärenmusik? – Bei dir piepst’s wohl!

ROT: Zwei Dinge nerven meine Nachbarin als notorische Langschläferin am Frühling: Die Zeitumstellung und das frühmorgendliche Geplärre der Vögel. - Ich fasse es nicht. Für mich ist das fröhliche Gezwitscher Musik, bei der mir das Herz aufgeht.

Musik

WEISS: Musik? Laut Wikipedia ist Musik "eine Kunstgattung, deren Werke aus organisierten Schallereignissen bestehen." Das scheint mir trotz der lieblichen Vielstimmigkeit beim natürlichen Vogelkonzert nicht der Fall zu sein. Bei der Sphärenharmonie ist das schon etwas anderes. Diese erklingt, wenn wir Pythagoras folgen, weil der Kosmos nach den gleichen mathematischen Proportionen organisiert ist wie die Musik von uns Erdlingen.

ROT: Ich erinnere mich mit Schaudern an meinen Musikunterricht. Tonleitern, Quintenzirkel, Harmonielehre... Das war mehr Mathematik als Musik, die so eigentlich zu den MINT-Fächern gehören müsste.

WEISS: Im Mittelalter war das so. Da gehörte Musik zu den artes liberales. Mir scheint, Musik ist Mathematik in ihrer ästhetischsten Form. Sie zielt durch das Ohr als den differenziertesten unserer Sinne direkt ins Herz (dabei lässt sie den Verstand bei den Meisten rechts und links liegen). Während wir Farben, Geschmack und Gerüche nur grob beschreiben können, können wir bei entsprechender Schulung Töne bis auf die Frequenz genau unterscheiden und benennen.

ROT: Stimmt, Musik geht von simpel bis komplex. In der Mathematik beherrschen nur die wenigsten Differenzial- und Infinitesimalrechnung  aus dem Effeff, so dass sich die Mehrheit mit den Grundrechenarten begnügen muss. Die den letzteren entsprechende Musik nennt man dann wohl Pop.

WEISS: Spannend finde ich noch folgendes: Bei der bildenden wie bei der Kochkunst fallen Entstehung und Genuss auseinander. Erst muss gemalt respektive gekocht werden, dann erst wird betrachtet und gespeist. Musik dagegen kann Musiker und Publikum auf sehr intensive Weise synchron verbinden und jeden Einzelnen mit allen Anderen zum Schwingen bringen.

ROT: Wie kommt es dann zur babylonischen Musikverwirrung, durch die wir so viele unterschiedliche Musikstile haben und die Musikgeschmäcker so fragmentiert sind?

WEISS: Wie beim Humanismus geht es auch in der Musik zuerst und zuletzt um Vereinigung, um Zusammenklang und Harmonie. Dazwischen suchen und betonen wir das Eigenartige und Unterschiedliche und würzen uns mit Disharmonien und Inkompatibilitäten das Leben. Das nennt man Individualismus.

Lasst's Euch schmecken! (Gebt gerne Euren Senf dazu.)
LG Ralf & Thomas

Kommentare:2

Georg

Dass Ihr Euch an dem früh morgendlichen Vogelgeträller ergötzt, bezeugt doch eher Euren Mangel an Empathie. 😜 Schließlich handelt es sich entweder um Kampfansagen zur Verteidigung des Reviers oder um verzweifelte Brunftschreie, weil immer noch kein Weibchen der aktuellen Frühjahrs-Kollektion von der Heimeligkeit des selbstgebauten Baumhauses überzeugt werden konnte. Aber ich bin mir nicht sicher ob mich die Vögel aus Mitleid nerven – oder weil einige schräge Vögel exakt den Ton meines Weckers imitieren. ⏰ Dabei fällt mir eine Untersuchung ein, die aufzeigte, dass Kinder bis ca 12 Jahre höhere Töne nicht als Gefahr einstufen und daher weder von einem elektronischen… Weiterlesen »

: jo

piep, piep, piep ich hab Euch lieb und das morgendliche Gezwitscher auch.