Über Rassismus und kulturelle Betriebssysteme

Dieselstinker - deutscher "Autismus"?

ROT: Hab mir einen alten Landrover gekauft.  Voll der Anachronismus. Der Händler ist Albaner. Ich war ziemlich misstrauisch. Dann habe ich den Mann gegoogelt. Der Herr ist  Maschinenbauingenieur und hat nebenher ein Startup laufen. Irgendwas mit E-Mobilität. - Mein Alltagsrassismus widert mich an!

WEISS: Das ist kein Rassismus. Das ist Vorsicht. Rassismus ist heute ein Kampfbegriff ohne Substanz. Kein Mensch glaubt heute noch im Ernst an eine genetische Über- oder Unterlegenheit irgendeiner Ethnie. Stattdessen geht es meistens um Marketing: Der reiche Schweizer, der finstere Russe, der distinguierte Engländer oder eben der schlitzohrige Albaner.

ROT: Du betrachtest Völker und Ethnien also als Marken, die immer auf das jeweilige Individuum abfärben? Dann wäre ja jeder mit seinem Verhalten ein Markenbotschafter (insbesondere wir Deutsche auf Malle)! Worin liegen denn die konkreten Unterschiede zwischen den Völkern?

WEISS: Der Unterschied liegt in den kulturellen Betriebssystemen. Die werden von den Eltern auf die Kinder überspielt.  Diese beinhalten Religion, Glauben, Traditionen und Wertvorstellungen. Auf den Betriebssystemen laufen dann die unterschiedlichsten Apps, mit denen die Menschen ihren Alltag gestalten: Partnerschaft & Familie, Beruf, Politik, Freizeit etc.

ROT: Und wo fangen die Probleme an?

WEISS: Immer dann, wenn Menschen mit unterschiedlichen Betriebssystemen kooperieren müssen und die Systeme nicht kompatibel sind. Dann haben wir die Anwendungsprobleme bis hin zum Systemabsturz.

ROT: Aber was Apple, Microsoft und Google mit ihren Betriebssystemen hinbekommen, das sollte uns  durch intelligentes Schnittstellenmanagement doch wohl auch gelingen!

WEISS: Der Westen hat lange geglaubt, dass er sein liberales Betriebssystem weltweit ausrollen und die Völker zur Aufgabe ihrer traditionellen Systeme "motivieren" könnte. Das war wohl eher ein Irrtum. Stattdessen drängen immer mehr konkurrierende Systeme auf unseren lokalen Markt und der hiesige Liberalismus scheint seine marktbeherrschende Stellung zu verlieren .

ROT: Und da die Leute bei ihren Betriebssystemen ungern Kompromisse machen (vgl. die Fundamentalisten rund um Apple), sprühen an den Schnittstellen die Funken. Wie das wohl weitergeht....

Lasst's Euch schmecken! (Gebt gerne Euren Senf dazu.)
LG Ralf & Thomas

Wie lecker findest Du diese Portion?

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Kommentare:10

Georg

Rassismus, Betriebssysteme und ein alter Defender??
Diesmal überfordert Ihr mich. 😉

Warum nicht ein typisches Männergespräch über einen alten Defender, der mit Sonnenblumenöl betrieben quasi mit Solarkraft fährt und als CO2 neutral betrachtet werden muss?

Ein Elaborat über ein Auto aus der britischen Kolonialzeit (ich meine die irische), dessen Tank mit Lebensmittel befüllt wird und hinten nach Pommesbude stinkt – das wäre doch eine runde Geschichte geworden 😉

Thomas

Überforderung ist Teil des Konzeptes🤝

Fax

Die „Apps“, die auf den unterschiedlichen Betriebssystemen laufen, die Betriebssysteme selbst und Schnittstellen (puhh – wie das alles auseinander halten?) erhalten Ihre Qualität durchaus auch durch die Anwender. Je gebildeter (besonders im Sinne von Allgemein- und Herzensbildung sowie Interesse) die Anwender sind, desto eher können sie mit den unterschiedlichen Systemen umgehen.

Der Gegenpol dazu sind unser Blockwart und sein Kollege aus Ostanatolien: Die sind sich verdammt ähnlich …

Thomas

Bildung ist immer eine gute Idee!!✌️

Ralf

Klar, IT Experten kommen auch mit nicht sauber programmierten Schnittstellen und mangelnder Userbility zurecht. Software fürs einfache „Volk“ muss easy to use sein.

:jo

na, da bin ich aber froh, es gibt keine Substanz mehr für Rassismus und keiner glaubt an genetische Unterschiede und die Überlegenheit einer Rasse.

Gab es diese Woche ein Massensterben in der rechten Bewegung ,
oder habe ich die Bekloppten immer nur falsch verstanden ?

Thomas

🤝👍 wir glauben an die Weiterentwicklung

YNWA1960

Als ich ein Teenager war sagte mir mein Vater (ägyptisch-koptischer Hintergrund), dass ich meinen Nachnamen ändern sollte, um in Europa Karriere machen zu können. Da ich ein sehr dickköpfiger Teenager war, schwor ich mir, dass ich das nie tun würde, da es „nachgeben“ bedeuten würde!!
Das sind zwei Beispiele dafür, was meiner Familie passierte, weil ich meinen Nachnamen behielt:
• Meine Tochter, 23, Deutsche, blond, nordisch aussehend, ägyptischer Nachname, wird oft mit der Frage begrüßt: „Sind Sie nicht ein bisschen jung um schon verheiratet zu sein?“
• Meine Frau, blond und Deutsche war mit unserer rothaarigen Tochter im Krankenhaus. Sie teilte sich das Krankenhauszimmer mit einer „Frau Schmidt“, Asiatin. Jeder Besuch oder jede Nachricht für Frau Schmidt ging automatisch an meine Frau, die meinen ägyptischen Nachnamen angenommen hat, anstatt an die „richtige“ Frau Schmidt.
Rassismus oder Betriebssystemschnittstellenproblematik?
P.S. Ich habe nie bemerkt, dass ich durch meinen Namen benachteiligt wurde, aber wer weiß?

Ralf

Lange haben uns unsere Schubladen im Kopf geholfen, unseren Alltag zu sortieren und zu managen. In den letzten Jahren ist das Ordnungssystem durcheinander geraten und die Beschriftungen stimmen nicht mehr. – Mit Rassismus hat das m.E. nichts zu tun. Die Lösung: aufräumen und neu beschriften.

santiago

Sehe ich auch so. Aber das dauert. Generationen. Wenn man in München ins Taxi steigt und den rabenschwarzen Fahrer auf Englisch bitte ihn ins Hofbräuhaus zu fahren weil man nicht glaubt dass er deutsch kann und dann aus allen Wolken fällt wenn er einem in tiefstem bayerisch antwortet, ist das dann Rassismus? Wohl kaum. Stereotyp ja. Aber das gibt es überall. Kann ein 80-jähriger Marathon laufen? Kann eine Frau Handswerksmeisterin sein? Würde ein junger Mann mit Hipsterbrille und Dutt CSU wählen? Klar, aber eben alles eher selten. Diese Stereotypen bilden sich aus Erfahrungen, treffen aber nicht immer zu. Und es ist kein Rassismus wenn man das mit anderen Nationalitäten hat. Man muss sich nur vom Gegenteil überzeugen lassen. Wenn man mir in England sagt die deutschen hätten keinen Humor reagiere ich mit meinem Lieblingswitz. Problem gelöst.

Aber es gibt kaum ein verkrampfteres Thema in unserem Land als rassismus und Diskriminierung. Macht Euch locker und haut umso kräftiger auf die wenigen die tatsächlich Rassisten sind und diskriminieren.