Mammon unser, der du regierst auf Erden…

ROT: Geld macht zwar nicht glücklich, aber reich, rief mir heute mein Abreißkalender als morgendliche Ermunterung zu. Toller Start in den Tag!

Gier - für alle, die den Hals nicht vollkriegen können

WEISS: Stimmt, zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles.

ROT: Hör mir auf mit Goethe. Es ist wie verhext: Alles dreht sich ums Geld. Am Ende ist es doch nichts weiter als Papier.

WEISS: Nicht ganz: Es ist Tauschmittel, Wertaufbewahrungsmittel, Leihmittel. Es ist die Macht, Gutes zu tun. Allerdings nur so lange, wie die Währungsgemeinschaft an den Wert ihrer Währung glaubt.

ROT: Dann sind die verschiedenen Währungen nur unterschiedliche Konfessionen, die um den einen allmächtigen Mammon tanzen?

WEISS: Sozusagen. Das Schöne ist, jedweder Gottesdienst wird von Mammon bereits im Diesseits belohnt. Während uns im Paradies Wolkendunst und Engelsgesang erwartet, kann sich im Hier und Jetzt jeder sein Paradies selbst nach Gusto zusammenkaufen. Ist doch riesig!

ROT: Und während im Himmel ein jeder selbst für sein Seelenheil sorgen muss, kann man sein irdisches Wohlleben sogar vererben, so dass sich die werte Nachkommenschaft ins gemachte Nest setzen kann. Kein Wunder, dass sich die Kirchen leeren, während an den Börsen Hochbetrieb herrscht.

WEISS: Das Geldwesen wird dabei noch virtueller als der klassische Glaubensbetrieb, der sich wenigstens noch über handfeste Gleichnisse verständlich machen konnte. Was da in Sekundenschnelle an Geldwerten um den Globus gejagt wird, entzieht sich jeder Vorstellung.

ROT: Und wie beten wir zu Mammon?

WEISS: Wie wäre es damit: Mammon unser, der du regierst auf Erden, geheiligt sei deine unsichtbare Hand, rentieren sollen unsere Investitionen und unsere Kurse steigen an der Wall Street wie auch in Europa. Unseren täglichen Umsatz gib uns heute und gewähre uns Kredit, wie wir ihn gewähren unseren Gläubigern. Und führe uns nicht in Konkurs, sondern erlöse uns von den Krisen. Denn dein ist die Welt, und das Geld und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lasst's Euch schmecken! (Gebt gerne Euren Senf dazu.)
LG Ralf & Thomas

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Kommentare:8

Georg

Geld „ist die Macht, Gutes zu tun.“?
Ja Nee – schon klar: „als ein totgeschossener Hase um die Ecke lief…“

Ständig kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen, mit Geld das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mal mögen. Dabei benötigen wir für die schönsten Dinge im Leben gar kein Geld – sondern nur Muße und Achtsamkeit.

Mist – wieso kann ich hier meinen Donate Button nicht einfügen …

🤑💰💲😎

Thomas

…auch wenn der Hase totgeschossen scheint: die geschiedene Frau Bezos will „The Giving Pledge“ beitreten und die Hälfte des Vermögens spenden. Also doch die Macht Gutes zu tun? Jedenfalls erleichtert so eine Nachricht mein Gewissen, wenn ich bei Amazonien einkaufe…

Georg

Die Spende von Ex-Frau Bezos ist doch eher eine Frage von unvorstellbarem Überfluss. Und außerdem sind sich die Bezos trotz Trennung sicherlich immer noch einig, dass sowenig Geld wie möglich (z.B. Steuern) in den Einflussbereich von Trump fließt.

Und das Du als Anwalt an dieser Form von Gewinnabschöpfung bei der Beendigung von Zugewinngemeinschaften ein großes Interesse hast ist mir klar. 💔

👨‍⚖️🤣😎

Joachim

Zwei Gedanken:
1.: Erich Fromm: „Haben oder Sein?“

2.: Reich ist nicht, wer viel hat. Reich ist, wer weniger benötigt als er/sie hat..,

Thomas

1. Sein
2. Glückliche Menschen sind meist erfolg-reich. Erfolgreiche Menschen nicht immer glücklich…

: jo

Wenn du genügend davon hast, kannst du dir sogar erlauben auf den Konsumwahn zu verzichten, dir stehen trotzdem alle Türen offen und du wirst dafür auch noch bewundert.
Wenn du auf die gleichen Dinge verzichten musst weil du kein Geld hast,
bist du halt ein armes Würstchen und die meisten Türen bleiben verschlossen.
Deshalb gilt: So tun als ob. Das funktioniert wunderbar.
Na ja manchmal gerät das Ganze in stocken, dann werden die Zinsen gesenkt und es geht munter weiter.

Georg

Ja – genau:
„Zum Teufel mit den Kohlen“!

https://de.wikipedia.org/wiki/Zum_Teufel_mit_den_Kohlen

In Wiki als „Komödie“ betitelt – aber wäre „Realsatire“ nicht zutreffender…?

Obwohl – es sind ja gar keine Übertreibungen. Also eher ein Gleichnis – mit dem Ziel Veränderung anzuregen. Der Roman von George Barr McCutcheon wurde schon 1902 veröffentlicht. Führte etwa dieses Gleichnis dann zu den beiden Weltkriegen und dem kalten Krieg mit dem Kommunismus?

Nun – mitten in einer industriellen Revolution – scheinen wir schon wieder genau an der gleichen Stelle zu stehen – oder?

👼

: jo

Ewig wird das wohl nicht so weiter gehen und dann schauen wir mal wer diesmal die Schuld dafür bekommt.
Eins ist sicher, alle haben es kommen sehen.