Barmherzigkeit – steuerlich abzugsfähig

ROT: Bin ich hartherzig, wenn ich Bettlern nichts gebe? Ich meine, wir haben doch Hartz IV, das auch von meinen Steuern finanziert wird. Muss ich dann noch Geld in den Hut werfen?

Hilfe

WEISS: Unser Sozialstaat ist über Bande gespielte Barmherzigkeit, die sich dabei in einen institutionalisierten Rechtsanspruch verwandelt. Weil du nicht weißt, ob Deine Steuern gerade in einer Dauerbaustelle versenkt werden oder wirklich Bedürftigen zukommen, wird dir die Steuerlast zur lästigen, aber dich entlastenden Pflicht. Da sitzt dann das Geld in der Fußgängerzone halt nicht mehr so locker. Versteh´ ich schon.

ROT: Und wenn ich Weihnachten mal spende, dann bitte nur gegen Quittung, damit ich mir das Verschenkte zumindest zum Teil von der Steuer zurückholen kann?

WEISS: Und schon fühlst du dich wieder mies, da deine vermeintliche Barmherzigkeit innerlich zum Steuersparmodell verkommen ist.

ROT: Immerhin hat der Staat sich seit 2015 Barmherzigkeit auf die Fahnen geschrieben. Seitdem ist Theater in diesem Land...

WEISS: ..., und zwar weil die Leute merken, dass aus ihrer Einmalspende plötzlich ein Dauerabo wird, das durch Rechtsansprüche auf Jahrzehnte hinaus in Budgets und Gesellschaft nachwirkt. Da wird freiwillige Barmherzigkeit zur institutionellen Zwangsjacke, die den Bürgern dann doch wieder zu eng wird.

ROT: Dann ist Barmherzigkeit am Ende unzeitgemäß?

WEISS: Barmherzigkeit ist nicht Sache des Staates, sondern die Tugend  von Individuen. Der einzelne Staat und auch Europa sind mit ihren Institutionen dem Willen und Wohle seiner Bürger verpflichtet. Wenn wir uns jedoch als Gesellschaft nicht an Hartherzigkeit erkälten wollen, dann sollte sich jeder von uns nach seinen Möglichkeiten in Warmherzigkeit üben. Folgen wir dabei der Ermunterung Leo Tolstois: "Wer anderen nützen will, findet überall zu tun."

Lasst's Euch schmecken! (Gebt gerne Euren Senf dazu)
LG Ralf & Thomas

Kommentare:10

Stephan Christensen

Guten Morgen Ralf, wieder einmal ein interessantes Thema. Dazu eine Erfahrung: Ich hatte vor Jahren in Vancouver zu tun. Dort gibt es klimabedingt viele Bettler. Ich ging in eine Bank und ließ mir vierzig Dollar in Zwei-Dollar-Stücke wechseln. Und gab jedem. Innerhalb kürzester Zeit war ich umringt und die vierzig Dollar waren weg. Die Frage, die mich seither umtreibt, ist: Wo fange ich an, wo höre ich auf? Christlich betrachtet höre ich auf, wenn ich selbst nichts mehr habe. Und selbst da gibt es im NT Geschichten, die nahelegen, selbst dann weiter zu teilen. Tja. Ich habe dann irgendwann aufgehört,… Weiterlesen »

Ralf

Der Islam ist so wunderbar simpel: Glaubensbekenntnis (Allah ist der Einzige und Mohammed sein Prophet), fünfmaliges tägliches ritualisiertes Gebet (tolles Gruppenerlebnis), Hadsch (Mecka als kollektiver Sehnsuchtsort), Ramadan (Fasten bei täglichem Fastenbrechen statt 40 Tage Wasser und Brot) und Almosengeben (in maßen). Dann ist man ein guter Moslem. Ein Christ muss dagegen immer an der Bergpredigt scheitern. Im Christentum gibt es nur Sünder und nur sehr ausnahmsweise Heilige. Klar, der Christ wird erlöst, doch sind Erlösung bzw. Begnadigung im Zeitalter der Selbstoptimierung nicht gerade die gesuchtesten aller Gefühle… Wir Christen haben es schwer, warum also nicht auch mit der Barmherzigkeit.

Philipp Pönnighaus

Ein schönes Thema. Ich denke, dass die großen Themen unser Generation auch darüber gelöst werden wie wir mit Reichtum umgehen und uns der Verantwortung die daraus resultiert bewusst werden. Und vielleicht sollten wir die Perspektive ändern. Spenden ist Spaß und gut für die Seele und es hilft. Es gibt genug tolle Institutionen wo Hilfe gebraucht wird, nur zu 😎👍 Und ob die Spendenquittung eingereicht wird oder nicht ist ja jedem selbst überlassen. Wenn Sie es tun, dann gerne mit Spaß. Ihre Geldbörse freut sich 🙂 Liebe Grüße Philipp PS 2015 war keine Barmherzigkeit sondern ein Resultat aus den Fehlern dieser… Weiterlesen »

Ralf

Die Kombination von Spenden und Spaß finde ich spannend. Landläufig herrscht doch eher die Auffassung, dass die wahre Spende, wenn sie nicht ein Almosen sein soll, weh tun muss…

jo

Nur ein anderes Wort für „soll “ im Grundgesetzt und viele Probleme
würde es gar nicht geben.

Artikel 14 (2) Eigentum verpflichtet.
Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Statt soll ein muss !
Nun ist es aber wie es ist und jeder muss selber wissen wie er das mit
seiner Barmherzigkeit hält.

Ralf

Ist das „Soll“ zumindest für die Mittelschicht nicht durch das deutsche Steuersystem längst eingelöst?

Tina

Gerade jetzt zur nahenden Weihnachtszeit sehr aktuelles Thema. Wie oft fühle ich da ein „muss“ und hege Zweifel. Da tut sich die eigene Knausrigkeit mit Misstrauen zusammen und schließt die Geldbörse. Was hilft ist, an die zu spenden, die man persönlich kennt.
Schöner Blog! Sehr appetitlich angerichtet! Komme gerne wieder!

jo

Stimmt Ralf aber leider wird die Mittelschicht immer dünner.
Das reicht heute schon nicht, auf Dauer kann das nicht gut gehen.
Und auf Freiwilligkeit vertraue ich hier nicht.

asmG

Als die Soziopathen Hartz IV 2005 mit Hilfe von McK eingeführt haben, begann die institutionalisierte Hart(z)herzigkeit. Gar nicht so lange her …… Nicht lange her, daß man die „Vereinzelung und Vereinsamung“ auf den Fluren der „Agentur“ einführte. Damit die AÄmter nicht wegen Überfüllung geschlossen werden mussten. Gut, daß jetzt 2018 diese elende Mogelpackung endlich an den Wahlurnen enttarnt wird. Bayern ist erst der Anfang. Ba-Wü wird folgen….. Könnte kotzen, wenn ich diese abartigen „Spendengalas“ in juwelenbehängter Abendrobe und Smoking importiert aus US sehe. ;-(( Die Digitalisierung MUSS zu Massenarbeitslosigkeit führen. Für die sozialverträgliche Bewältigung verweigern die Politikanten bis heute demokratische… Weiterlesen »

Ralf

Hart(z)herzigkeit – schöne Wortschöpfung!