Was macht Macht mit Menschen?

ROT: Ich bin letzte Woche über diesen alten Sponti-Spruch gestolpert: „Wissen ist Macht, nichts wissen macht nichts.“ Macht ist Wissen - sonst nichts?

WEISS: Francis Bacon hat im 16. Jahrhundert mit dieser Pointe die Aufklärung eingeläutet, mit der sich die Menschheit nach Immanuel Kant aus ihrer „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ katapultiert hat. Aber erst Karl Marx hat drei Jahrhunderte später gemerkt, dass dem Wissen noch etwas Entscheidendes zur Macht fehlt.

ROT: Was denn?

Gewalt - ist Macht männlich?

WEISS: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ Wissen muss auf einen tatkräftigen Willen treffen, um Macht zu sein.

ROT: Du meinst also, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kompetenzen, die nichts wollen, bewirken nichts? Ebenso wie ein Wille, der nichts kann?

WEISS: Der Mensch ist erst da ganz Mensch, wo sich Wollen und Können verbinden. Erst Macht macht den Menschen zum ganzen Menschen.

ROT: Impotent und damit kein Mensch seiner Möglichkeit nach wäre er also immer da, wo er will und nicht kann. Oder wo er kann, aber nicht will. Oder gar, wenn beides zusammenkommt. Damit wäre Macht ein Menschenrecht?

WEISS: Ja. Jeder Mensch soll die Macht haben zu wollen und zu können. Macht ist damit ein wesentlicher Aspekt der Freiheit.

ROT: Ist das nicht gefährlich? Hat nicht Abraham Lincoln schon warnend gesagt: „Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gibt ihm Macht?

WEISS: Da halte ich es nochmal mit Kant: „Es ist überall nichts in der Welt..., was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille.

ROT: Seit Erich Kästner wissen wir: „Es gibt nichts Gutes außer man tut es.“ Also ist Macht dann gut, wenn sie das Gute will und tut? Ist Macht denn nicht auch böse?

WEISS: Macht ist wie Beton: Es kommt drauf an, was man draus macht.

Lasst's Euch schmecken! (Gebt gerne Euren Senf dazu.)
LG Ralf & Thomas

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Kommentare:5

Adeles Kirsten

Leider kann ich mir das Thema nicht philosophisch betrachten, da ich mich tagtäglich mit dem Thema sexueller Missbrauch beschäftige und mit betroffenen Kindern arbeite. Da sexueller Missbrauch ein Machtmissbrauch ist und so viele Menschen davon betroffen sind (ich will Euch mit Zahlen nicht bombadieren), heißt es in unserer Gesellschaft nur: Du bist Täter oder Opfer und WIR …sind eine Tätergesellschaft. Auch ein Held nutzt seine Macht (Kräfte) , um mit Gewalt etwas Gutes zu tun.
Ich würde lieber über das Thema Kooperation, Empathie und gewaltfreie Kommunikation diskutieren. Das sind die wichtigsten Eigenschaften, um Gewalt und Macht präventiv zu begegnen. Und wir könnten das, wir müssten uns nur dafür entscheiden! Spätestens seit der Neurobiologie wissen wir, die Spiegelneuronen, die jeder Mensch besitzt können dafür genutzt werden. Deshalb lächelt der Säugling, wenn wir ihn anlächeln.
In diesem Sinne, lächle ich Euch an und lese Euren Senf mit Ketchup und Majo 🙂

Thomas Schulz

Macht ist wie Beton. Es kommt echt drauf an, was wir daraus machen. Bauhaus oder Plattenbau. Freiheit oder Unterdrückung. Luke Skywalker oder Darth Vader. Dito hat Macht viel mit Verantwortung zu tun, insofern bin ich bei Dir.

Georg

Macht ist wie Beton?

Macht ist wie Feuer!

Wir Menschen können mit Feuer uns und andere wärmen und beschützen. Und wir können mit Feuer etwas antreiben und bewegen. Aber wir können mit Feuer auch verletzen – nicht nur andere, sondern auch uns selbst. Und Feuer kann sich sogar selbst verzehren.

Aber alles nur tumbe Wortspielereien.

Meine Spiegelneuronen beugen sich lieber der Macht von Adeles – und ich lächle zurück 😊😎

Jetzt muss ich Schluss machen – die beste Ehefrau von allen ruft. Von wegen Beton – Sie hat Feuer! 🔥😎

:jo

Nichts zu wissen ist ein Luxus den sich nur wenige erlauben können.

Aber seit geraumer Zeit habe ich entschieden nicht mehr alles wissen zu wollen.
Bei der Flut von Informationen die heute über uns ergossen wird, besteht die Gefahr, dass du zum allwissenden Volltrottel wirst, der sich abends nicht mehr in die Stadt wagt, der eigentlich nichts mehr zu sich nehmen kann, außer biologischer Astronautennahrung und der nun auch noch seine private Rentenvorsorge durch Aktien statt mit Riester sichern will, obwohl ihm für beide Optionen schlicht das Geld fehlt.

Wohl dem der alles unnötige rausfiltern kann oder sein Unterbewusstsein
ausschalten kann.

Gerhard

Tja, das ist genau die Krux in Zeiten von Unübersichtlichkeit, Informationsüberflutung und Fake News. Den eigenen Filter so auszurichten, dass man die auf einen niederprasselnden Informationen einordnen kann und handlungsfähig im konstruktiven Sinne bleibt. Dies ist nur möglich mit einem gut funktionierenden Kompass, der auf ethisch-moralischer Grundlage die Richtung zeigt. Das waren in früheren Zeiten die Philosophen und Weltreligionen. Diese Konstrukte werden heute überlagert von der Rückversicherung über Soziale Netzwerke, was grundsätzlich nicht verkehrt ist. Allerdings werden diese interessengeleitet manipuliert, sodass wohl doch nur der Weg zurück zur Grundwerte basierten Philosophie bleibt. Unterbewusstsein ausschalten geht leider nicht oder nur im Krankheitsfall.