Fasten – Materialismus in seiner schönsten Form

ROT: Und was fastest du so?

WEISS: Du meinst, worauf ich in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern verzichte? Auf nichts Besonderes.

Carpe diem

ROT: Das ist uncool. Fasten ist mega in. Kein Fleisch war mal. Jetzt geht es ums Entgiften: Kein Alkohol, keine Zigaretten, nix Süßes, kein Gluten. Statt Facebook und Whatsapp Digital Detox. Fasten ist, wenn man irgendetwas - oder am besten alles - weglässt, was Spaß macht.

WEISS: Kein, nichts oder weniger wohin man guckt: Keine neuen Klamotten, keine SUVs, keine Flugreisen, weniger CO2. Die Kids von Fridays for Future wollen dem Kapitalismus gerade eine Fastenkur verordnen, die seine Eingeweide gehörig rumoren lassen wird.

ROT: Völlig offen, ob der Patient das überlebt. Auf jeden Fall wird er toben. - Warum fasten die Leute denn überhaupt?

WEISS: Der Verzicht bedeutete früher Selbstreinigung und -heiligung. Gewissermaßen haben die Gläubigen versucht, sich als Paradiesanwärter zu qualifizieren. Fasten war die Vorwegnahme des paradiesischen Zustands der Reinheit. Gleichzeitig stärkte das Fasten die jüdische, christliche oder islamische Identität.

ROT: Und heute?

WEISS: Heute ist Fasten eine Kombination aus Mentaltraining und Bodybuilding. Im Grunde folgen wir damit dem antiken Ideal von mens sana in corpore sano - frei übersetzt: Einen sexy Körper krönt ein smarter Kopf. Wir fasten, weil wir es können. Weil nach dem Schmerz die Endorphine kommen. Dabei ist Fasten heutzutage maximal individuell.

ROT: Stimmt - man bekommt ja heute keine Tischrunde mehr zusammen, in der alle Gäste auf das gleich verzichten.

WEISS: Wir sind die Generation "Kein Bock auf Himmel", die  Christoph Schlingensief - schon todkrank - so despektierlich pointiert hat: Ich habe keinen Bock auf Himmel, ich habe keinen Bock auf Harfe spielen und singen und irgendwo auf einer Wolke herumgammeln. Reine Diesseitigkeit pur. Wenn uns Fasten dem Himmel tatsächlich näher bringen würde, dann würden wir es sofort sein lassen.

ROT: Dann soll Fasten uns also fit fürs Leben bzw. for fun halten!

WEISS: Und damit dieses unser eines Leben weiterhin einen Ort hat, an dem wir gut und gerne leben, den Planeten gleich mit.

ROT: Somit wäre Fasten Materialismus in seiner schönsten und nachhaltigsten Form! Wann fängst du mit Fasten an?

Lasst's Euch schmecken! (Gebt gerne Euren Senf dazu.)
LG Ralf & Thomas

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Kommentare:2

Fax

Endlich! Endlich mal jemand, der die vermeintliche Demutsübung vor Gott als das benennt (und so treffend zusammengefasst!), was es eigentlich ist: Pure Egopflege. Ein weiterer, ungenannter Aspekt: Wir neigen dazu, mit unserem Verzicht anzugeben (was die Egopflege noch verschönert – s. „und was fastest Du so?“) – und tun damit genau das, was Jesus so angewidert hat (s. Mt. 6/17 f.) …

: jo

Unsere Urahnen haben regelmäßig gefastet, allerdings nie freiwillig, gehungert wurde aus Nahrungsmangel.
Eventuell ist ja der nachgesagte Reinigungseffekt heute noch wichtig für unseren Organismus.
Bestätigen kann ich das nicht, da ich auf fast nichts verzichte.