Gedanken – heiss, fettig, lecker!

Ralf Borlinghaus und Thomas Schulz

Ralf Borlinghaus und Thomas Schulz. Zwei Unternehmer, Philosoph der eine und Rechtsanwalt der andere, starten diesen Blog mit der Idee, Ihnen kleine Geschenke zu machen. Für zwischendurch. Mit klugen Fast-Food-Gedanken. In kleinen Portionen, manchmal schwer verdaulich, aber immer lecker mit direktem Zugang zur Seele. Unser Ziel ist Ihre Inspiration. Wöchentlich frisch zubereitet!

Greif Dir eine Portion und gib Deinen Senf dazu!

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Heimat haben ist gut…

ROT: Wo machst du denn Hitzefrei dieses Jahr?

WEISS: In der Heimat.

ROT: Wo bitte soll das denn sein? Der Ort deiner Kindheit, das Sauerland, Deutschland, der deutsche Sprachraum, Europa?

"Lange lieb ich dich schon und möchte dich, mir zu Lust, Mutter nennen und dir schenken ein kunstlos Lied, Du, der Vaterlandsstädte Ländlichschönste, so viel ich sah... (Hölderlin)

WEISS: Heimisch bin ich da, wo ich mich verstanden fühle.

ROT: Dann musst du Querkopf den Sommer wohl in den eigenen vier Wänden verbringen.

WEISS: Im Ernst! Das Verstehen umfasst alles: Landschaft, Sprache, Humor, Geschmack, Mode, Gewohnheiten…

ROT: Und ab wann wird’s spießig?

WEISS: Wenn die heimischen vier Wände keine Türen und Fenster mehr haben, durch die Bekannte und Unbekannte herein- und vorbeischauen können. Und man selbst nicht mehr vor die Tür kommt, um sich von dem anregen zu lassen, was draußen in der Welt so vor sich geht.

ROT: Leben wir kulturell nicht längst schon und besser in einer riesigen Gemeinschaftsunterkunft, in der alles bunt durcheinander geht und sich jeder nach dem postmodernen Credo anything goes frei bedienen kann ?

WEISS: Heimat ist immer ein Raum, der von dem, was nicht Heimat ist, abgegrenzt ist.

ROT: Das heißt Heimat und Multikulti sind für Dich Gegensätze?

WEISS: Heimat ist immer ein Kollektiv. Schau Dir mal die Tracht als Beispiel an. Die Norweger haben fast alle eine regionale Tracht im Schrank, die am Nationalfeiertag selbstverständlich ausgepackt und getragen wird. Das Individuum dagegen wählt eine Verkleidung, die in ihrer Austauschbarkeit lediglich Mode ist. Das Individuelle trägt so in der Tendenz die Zerstörung des Heimatlichen in sich. Wir sind da hierzulande inzwischen ziemlich weit gekommen.

ROT: Schließlich wird so Heimat zum bloßen Sehnsuchtsort für den inzwischen unbehausten Zeitgenossen und die Erinnerung daran zur Folklore?

WEISS: So ist es wohl. Aber jeder Verlust ist immer auch ein Gewinn:

Heimat haben ist gut,
Süß der Schlummer unter eigenem Dach,
Kinder, Garten und Hund.
Aber ach…
Leichter wahrlich ist alle Wanderqual,
Leichter als Friedefinden Im Heimattal,
Wo in heimischer Freuden und Sorgen Kreis
Nur der Weise sein Glück zu bauen weiß.
Mir ist besser, zu suchen und nie zu finden,
Statt mich eng und warm an das Nahe zu binden,
Denn auch im Glücke kann ich auf Erden
Doch nur ein Gast und niemals ein Bürger werden.
(Hermann Hesse)

Lasst's Euch schmecken! (Gebt gerne Euren Senf dazu.)
LG Ralf & Thomas

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